Fallbericht Tilman M. aus Bremerhaven

Fallbericht Tilman M. aus Bremerhaven

Hier die Zusammenfassung zum Fall Tilman M. aus Bremerhaven, auf der unsere Bitte um Stellung einer Kleinen Anfrage an den 19. Deutschen Bundestag basiert.

Fallbeschreibung der European Eleanors zum Fall Tilman M.,

Stand 13.11.20

Ein Mitglied der European Eleanors wurde in den letzten Wochen in Bremen und Bremerhaven im Rahmen des Falles Tilman mehrfach Zeugin von behördlichen Verstößen gegen die UN-BRK, die Europäische Opferschutzrichtlinie und die Istanbul Konvention. Tilman ist 8 Jahre alt, hat einen Grad der Behinderung von 80 % und darf seit 2 Jahren aufgrund seiner Behinderung und der damit einhergehenden Fremdgefährdung nicht in Bremerhaven zur Schule gehen. Tilman ist durch seine behördlich festgestellte Behinderung stark eigen- und fremdgefährdet, kann Gefahrensituationen nicht richtig einschätzen, Reaktionen seines sozialen Umfeldes nicht angemessen vorausschauend bewerten und reagiert häufig unangemessen auf diese. Er hat ein stark herabgesetztes Schmerzempfinden und bringt sich deswegen häufig selbst in Gefahr, weil er reale Verletzungsgefahren falsch einschätzt.

Die zuständige Bremerhavener Schulbehörde hat ihm unmittelbar nach Einschulung den ihm nach § 29 SGB IX rechtlichen zustehenden eigenbestimmten Schulassistenten verweigert, als es zu den ersten körperlichen Übergriffen auf Dritte und von Dritten auf Tilman im Schulkontext kam, sodass die Kindesmutter dessen Bewilligung erst beim Oberverwaltungsgericht Bremen einklagen musste. Trotz dieses anliegenden Verpflichtungsurteils des Oberverwaltungsgerichts Bremen aus Mai 2020 geht das Kind weiterhin nicht zur Schule. Unter Anwesenheit eines Mitglieds der European Eleanors wurde ihm am 30.09.20 erneut trotz bestehenden obergerichtlichen Verpflichtungsurteils in der Schule vor Ort der Schulbesuch mit 2 Schulassistentinnen aktiv verweigert und das Kind erneut traumatisiert und ausgegrenzt. Die Schule gab an, die zuständige Schulbehörde Bremerhaven habe das Kind nicht an der Schule angemeldet.

Diese erneute Traumatisierung- und Ausgrenzungserfahrung hat das Kind erheblich psychisch dekompensieren lassen. Es ist sozial isoliert und wird aktuell täglich von der Ortspolizei bei der Begehung von Straftaten festgesetzt und nach Hause gebracht. Die Ortspolizei hat in den letzten Wochen alleine 17 Kindeswohlgefährdungsanzeigen an das zuständige Jugendamt gegeben. Ohne, dass dem Kind gesetzeskonform geholfen worden wäre.

Dem Kind fällt es sehr schwer, Gefühle anderer zu erkennen und korrekt zu interpretieren. Entsprechend reagiert es häufig feindselig auf sein Gegenüber und ist auch deswegen nicht in der Lage, Kritik und Konfliktlösungshinweise Dritter sinnvoll anzunehmen, zu verarbeiten oder umzusetzen. Dieses Verhalten besteht, ausgelöst durch eine Bindungstraumatisierung im ersten Lebensjahr, lückenlos dokumentiert seit früher Kindheit des Kindes. Das Kind kompensiert Stresssituationen und die daraus resultierenden negativen Gefühle durch seinen unermüdlichen Bewegungsdrang und sein hohes Gewalt- und Aggressionspotential. Dieses lässt er entweder an Gegenständen oder auch an Personen aus, indem er auf diese einschlägt bzw. tritt, kneift, spuckt oder diese mit als kritisch anzusehenden Wurfgeschossen aus der unmittelbaren Umgebung, wie z.B. Steinen, bewirft. Er springt von hohen Mauern, läuft vor fahrende Autos, hüpft auf Autodächer, wirft Steine auf Autos, zerstört Autoscheiben mit Eisenstangen, wie dem anliegenden Schreiben der Frau Neumann zu entnehmen ist.

Zudem hegt er ein großes Interesse am Zündeln, er klaut explosive Böller, Deoflaschen und Feuerzeuge, um Dinge in Brand zu setzen. In diesem Zusammenhang gab es mehrere Polizeieinsätze und einen Wohnungsbrand. Es bleibt nicht mehr nur bei Sachbeschädigungen, er verletzt und verbrennt sich und seine Kleidung hierbei auch selbst. Auch das Stehlen im Supermarkt steht bei dem Jungen auf der Tagesordnung, er klaut sich zusammen, was er für die Begehung seiner Straftaten benötigt. 

Tilman ist jedoch sehr intelligent und setzt auch hochmanipulatives Verhalten bewusst ein, um zu erhalten, was er wünscht. Dies ist aber für Außenstehende oft kaum zu erkennen und führt täglich zu vielen Missverständnissen und Konflikten in der Öffentlichkeit. Dies setzt vor allem der Kindesmutter zu, da nach außen regelmäßig der Eindruck entsteht, sie habe ihr Kind nicht richtig erzogen, obwohl das Verhalten auf die Erkrankungen Tilmans zurückzuführen sind, was für Außenstehende aber nicht ersichtlich ist, weil das Kind keine nach außen für unbeteiligte direkt erkennbaren  Anzeichen einer Behinderung aufweist, sondern wie ein normal entwickelter 8 Jahre alter Junge aussieht. Leidtragender ist oft auch sein jüngerer Bruder, dem Tilman kräftemäßig überlegen ist und an dem er seine Frustration und seinen Ärger auslässt. Tilman ist mittlerweile durch niemanden mehr lenkbar, weil ihm über 4 Jahre die ihm gesetzlich zustehende Hilfe durch den Rehabilitationsträger, das Jugendamt Bremerhaven, zur Kosteneinsparung versagt wurde. 

Durch systematische Fehlentscheidungen seitens der Behörden, wie Jugendamt, Gesundheitsamt und Staatsanwaltschaft, konnte der Jungen seit seiner Geburt nicht die Hilfe erhalten, die die Kindesmutter dringend für ihren Sohn benötigt und auch immer wieder eingefordert hat, weil diese ihm gesetzlich zusteht. Entsprechend wird der Mutter seitens des Jugendamtes Bremerhaven als zuständigem Rehabilitationsträger unter anderem das persönliche Budget gemäß § 29 SGB IX verweigert, obwohl sie auf diese Geldleistung einen Rechtsanspruch hat, um die adäquate Versorgung ihres Kindes beim Schulbesuch und in seiner Freizeit damit sicherzustellen. Mit der Situation von den zuständigen Behörden vollkommen allein gelassen, muss sich die Mutter stattdessen selbst um ihren behinderten Sohn kümmern, wodurch sie von den örtlichen Behörden systematisch ins SGB II getrieben wurde, weil sie mangels Beschulung des Kindes nicht arbeiten kann, sodass das Job Center für den Unterhalt der Familie aufkommen muss. Die Kindesmutter kann rechtswidrig weder ihrer Berufstätigkeit nachgehen, noch am sonstigen öffentlichen Leben teilhaben. Inzwischen hat sich die Lage so zugespitzt, dass der Junge umgehend wegen Eigen- und Fremdgefährdung in eine geschlossene Psychiatrie eingewiesen werden müsste. Zum Schutz seiner Umgebung vor seinen Straftaten. Zum Schutz seiner selbst, bevor er sich vollständig selbst anzündet.

Dennoch wird ihm die dringend erforderliche und ihm gesetzlich zustehende stationäre Psychotherapie weiterhin verwehrt. Bei mehreren Terminen mit den entsprechenden Ärzten war unser Mitglied der European Eleanors persönlich dabei und konnte Zeugin von vorsätzlicher Verleumdung der Kindesmutter, Nötigung, sekundärer Viktimisierungen, geschlechterspezifischer Diskriminierung gegenüber der Kindesmutter und der Beiständin des Kindes sowie der Abgabe unwahrer Gesundheitszeugnisse werden.

Hierbei werden von den Ärzten und Behördenmitarbeitern systematisch Gaslighting-Techniken gegen die Kindesmutter angewendet, um die Kindesmutter von einer weiteren Anspruchsdurchsetzung der Ansprüche ihres Kindes abzubringen. Gaslighting ist der psychologische Fachbegriff für psychischen Missbrauch bzw. psychische Gewalt, bei der vom Täter die Wahrnehmung der Realität des Opfers angezweifelt wird, und dieses gezielt manipuliert, verunsichert, desorientiert und eingeschüchtert wird, damit das Opfer langsam anfängt, der eigenen Psyche und Wahrnehmung zu misstrauen. 

Zudem steht der Verdacht des sexuellen Missbrauchs im ehemaligen AWO-Kindergarten des Jungen im Raum. Um diesem Verdacht nachzugehen wurde durch die Mutter und ihre Beiständin Akteneinsicht in die Kindergartenakte beantragt, die relevanten Aktenteile wurden hierbei bis heute nicht von der örtlichen AWO Bremerhaven herausgegeben. Auch in diesem Fall wurde zuvor durch vermeintlich nicht zugestellte Briefe und E-Mails versucht, die Akteneinsicht systematisch zu vereiteln. Bei dem dann nach langem Hin- und Her doch genehmigten Termin zur persönlichen Akteneinsicht war dann unser Mitglied der European Eleanors wieder persönlich dabei. Und auch hier konnte unser Mitglied abermals Zeugin davon werden, wie selbst schriftlich bestätigte Akteneinsichtstermine faktisch durch Ausreden, Verleumdungen und Nötigungen der Kindesmutter und der Beiständin durch die örtliche AWO wieder vereitelt wurden. Ein namentlich unbekannter AWO-Herr, der auf Nachfrage seines Namens angab, dieser „Tut nichts zur Sache“, stellte dann kurzfristig vor der Haustür der AWO Bremerhaven ein Schreiben zu, das angeblich vorher an die Beiständin verschickt worden sein sollte, in welchem der genehmigte Akteneinsichtstermin natürlich kurzfristig abgesagt wurde. Tatsächlich war das Schreiben aber auf die Schnelle von der Rechtsanwältin der AWO 15 Minuten vorher angefertigt worden. 

Der betreffende Erzieher darf offensichtlich weiterhin seiner Arbeit bei der AWO unbehelligt nachgehen.

Bis heute übernimmt keine der zuständigen Behörden Verantwortung für den Fall. Mit jedem weiteren Tag, der vergeht, wird es für die Mutter, den Bruder und Außenstehende, die den Aggressionen des Jungen ausgesetzt sind, gefährlicher und unzumutbarer. Mit jedem Tag schwinden die Chancen, dass er noch vollständig alphabetisiert werden kann. Dem Jungen müsste dringend durch eine längst überfällige und von der Kindesmutter auch mehrfach beantragte Therapie geholfen werden, um ihm somit wieder eine Integration in den Alltag zu ermöglichen und die Familie zu entlasten. Selbst die Bremer Gerichte versagen dem Kind die Unterstützung, sie bearbeiten die gestellten Anträge von Kindesmutter und Beiständin ebenfalls nicht. Je mehr Zeit vergeht, desto unwahrscheinlicher wird auch ein Therapieerfolg. 

Eine kriminelle Karriere eines hochauffälligen Kindes ist durch das Versagen und das verantwortungslose Handeln der entsprechenden Institutionen vorprogrammiert. Obwohl die UN-BRK und der § 29 SGB IX genau solche Entwicklungen zum Nachteil von Kindern mit Behinderung verhindern helfen sollen und die Kindesmutter fristgerecht alle nötigen Anträge gestellt hatte. Die vom zuständigen Rehabilitationsträger nicht bearbeitet wurde. Statt dass die Behörde öffentlich die Verantwortung für ihr Versagen übernimmt, wird nun die Kindesmutter öffentlich verleumdet und für das Verhalten des Kindes verantwortlich gemacht.

Update zum Fall, 09.01.21:

Das Kind befindet sich nun in geschlossener stationär-psychiatrischer Behandlung im Klinikum Bremen-Ost.

Wir danken für die Unterstützung und widmen uns aktuell der weiteren Fallaufbereitung im Rahmen der Durchsetzung des sozialrechtlichen Herstellungsanspruches des Kindes und der Familie gegen die Bundesländer Bremen und Niedersachsen.